Vollversicherung oder Teilautonomie?
Die berufliche Vorsorge ist längst mehr als nur eine gesetzliche Verpflichtung – sie ist ein zentrales Element der Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt sich dabei häufig die Frage: Welche Lösung passt besser zu unseren Bedürfnissen – die Vollversicherung oder eine teilautonome Sammelstiftung?
Beide Modelle haben ihre Stärken – die Kunst liegt darin, die Prioritäten bedürfnisgerecht zu setzen.
Die Vollversicherung: Höchste Sicherheit, tiefe Rendite
Bei der Vollversicherung übernimmt ein Lebensversicherer sämtliche Risiken: sowohl das Anlagerisiko als auch die Risiken bei Tod und Invalidität sind voll rückgedeckt. Für das Unternehmen bedeutet das maximale Stabilität – unabhängig von Marktschwankungen.
- Deckungsgrad: Immer bei 100 %
- Zinsgarantie: Mindestens der gesetzliche BVG-Mindestzins auf dem obligatorischen Altersguthaben
- Keine Nachschusspflicht für Arbeitgeber
Allerdings ist der Preis für diese Sicherheit hoch: Die Anlagestrategien sind konservativ, der Aktienanteil liegt meist bei rund 5 %. Entsprechend lagen die Verzinsungen in den letzten Jahren häufig nur knapp über dem gesetzlichen Minimum. Auch Verwaltungs- und Risikokosten fallen im Marktvergleich oft deutlich höher aus als in der Teilautonomie.
Geeignet ist diese Organisationsform für Unternehmen, die grossen Wert auf Stabilität legen und bereit sind, dafür auf Renditechancen zu verzichten.
Die teilautonome Lösung: Mehr Renditepotenzial – mit Augenmass
Teilautonome Sammelstiftungen kombinieren Sicherheit mit mehr Flexibilität: Während das Risiko für Tod und Invalidität weiterhin gedeckt ist, tragen Arbeitgeber und Versicherte das Anlagerisiko gemeinsam.
- Breiterer Handlungsspielraum bei der Vermögensanlage
- Aktienquote bis zu 50 % möglich (gemäss BVV2)
- Höhere potenzielle Verzinsung – vor allem langfristig
Diese Lösung eignet sich für unterschiedlichste Unternehmen, denen eine hohe Verzinsung für ihre Mitarbeitenden wichtig ist.
Wichtig: Insbesondere bei der Bonität gibt es grosse Unterschiede zwischen den Stiftungen. Ein genauer Vergleich der Kennzahlen ist wichtig, um das Verzinsungspotential und die Sicherheit einschätzen zu können.
Worauf kommt es bei der Wahl eines teilautonomen Anbieters an?
Die Qualität einer teilautonomen Lösung variert je nach Sammelstiftung stark. Unsere Empfehlung: Achten Sie auf folgende Kriterien im Vergleich:
- Deckungsgrad & technischer Zinssatz
- Umwandlungssatz
- Anlagestrategie & Performance
- Verhältnis zwischen aktiven Versicherten und Rentenbezügern
- Stiftungsgrösse
Als unabhängige Beraterin analysieren wir regelmässig den Markt und helfen Unternehmen dabei, jene Lösungen zu identifizieren, die langfristig tragfähig und auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sind.
Unser Fazit: Die Wahl ist strategisch – nicht schematisch
Ob Vollversicherung oder Teilautonomie – beide Modelle haben ihre Berechtigung. Die Entscheidung sollte sich nicht an Standardlösungen, sondern an den Zielen und der Risikobereitschaft Ihres Unternehmens orientieren:
- Wer auf maximale Sicherheit setzt, fährt mit der Vollversicherung solide.
- Wer Wert auf langfristige Renditechancen legt, ist mit einer teilautonomen Lösung besser aufgestellt – bei sorgfältiger Anbieterauswahl.
Wir unterstützen Sie dabei, die richtige Vorsorgeform für Ihr Unternehmen zu finden – fundiert, unabhängig und mit Blick auf Ihre strategischen Ziele.